Bis zum Jahr 1861 stand die Plaidter Pfarrkirche auf dem „Alten Kirchplatz“, der deswegen seinen Namen trägt. Der romanische Bau aus dem 11./12. Jahrhundert war Mitte des 19. Jahr-hunderts baufällig geworden und bot für die stetig wachsende Bevölkerung zu wenig Platz. So entschloss sich die Pfarrgemeinde unter Leitung von Pfarrer Johann Josef Retz, die alte Kirche abzureißen und eine neue in der Mühlenstraße (Bauzeit von 1859 bis 1861) zu bauen. Die Grabplatte des Pfarrers ist außen am Chor über dem Grundstein angebracht.

 

Die genaue Position der alten Kirche ist mit Messingmarken im Süd-Osten des Dorfplatzes markiert. Sie stand dort auf einer kleinen Anhöhe. Das Gebäude selbst wurde samt Inventar versteigert und abgerissen. Der Tuffhügel unter der Kirche wurde anschließend ausgebeutet und der Erlös für den Neubau verwendet.

Die heutige dreischiffige, neugotische Kirche plante der Architekt Vinzenz Statz aus Köln. Baumeister war Maurermeister Kern aus Münstermaifeld. Die Grundsteinlegung erfolgte am 12. Mai 1859 durch Dechant Rosenbaum, zugleich Pfarrer in Andernach.

Am 9. September 1861 weihte der Trierer Bischof Wilhelm Arnoldi die Kirche feierlich ein.

Die Kirche ist rund 30 m lang und 15 m breit, der Chor misst etwa 9,50 m mal 6,50 m, rechts und links von ihm befinden sich Sakristeien. Der Turm ist 45 m hoch.

Die erste Ausmalung der Kirche erfolgte erst 1908.

1951/1952 wurde sie durch die Fa. Peter Mannebach aus Plaidt erneuert. Im Rahmen der großen Reno-vierung von 1973 bis 1975 erhielt der Innenraum seine heutige Gestaltung durch den Architekten Karl Peter Böhr in Zusammenarbeit mit dem Amt für kirchliche Denkmalpflege. Auch hier gestalteten die Gebr. Toni Günter und Alfred Mannebach den Kirchenraum.

 

Die drei neugotischen, holzgeschnitzten Altäre stammen aus Senheim an der Mosel. Sie wurden von dem Restaurator Hoffmann aus Bruchhausen farblich neu in Grau und Gold gefasst und 1975 errichtet.

 

Am 23.11.1846 schenkte Graf Clemens von Boos-Waldeck aus Sayn Reliquien des heiligen Willibrord und Partikel vom Kleid des hl. Josef der Plaidter Pfarrkirche. Sie stammten aus dem Besitz seines Großvaters Graf Ludwig von Boos-Waldeck, der die Willibrordsreliquie am 14. März 1786 vom Kloster Echternach geschenkt bekam. In einem monstranzförmigen Reliquiar, das der Plaidter Pfarrer Josef Wilhelm Weber in Trier im Jahre 1910 herstellen ließ, ist diese zu sehen. Die Josefs-Reliquie ist unter dem Tisch des Zelebrationsaltars eingelassen.

 

Bis 1913 bestand der Boden des Kirchenraumes aus Basaltplatten. 1913 wurde er im Chor durch bunte Plättchen ersetzt, von denen einige erhalten sind. Zu erkennen ist hier ein Hirsch an der Wasserquelle: Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele, Gott, nach dir. Weiter abgebildet ist Christus als Sieger; mit dem Kreuz den Kopf einer Schlange durchbohrend.

 

Die Glocken rufen zu den Gottesdiensten und geben viertelstündlich die Zeit an. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg wurden einige Glocken eingeschmolzen. Nach der Zerstörung des Glockenturms durch Blitzeinschlag im Jahr 1953 wurden sie vollständig erneuert. Ihre Weihe erfolgte am 6. Dezember 1953.

Die größte ist die Dreifaltigkeitsglocke, ein Hammer schlägt die Stunde. Die Marienglocke ist die Betglocke, sie läutet morgens, mittags und abends. Die Willibrordglocke schlägt zur hl. Wandlung und dreimal drei Schläge vor der Betglocke. Die Totenglocke schlägt den zweiten Schlag bei jeder viertel Stunde. Wenn ein Kind stirbt wird sie einmal 12 mal angeschlagen, wenn ein Frau stirbt wird sie zweimal 12 mal angeschlagen, und wenn ein Mann stirbt wird sie dreimal 12 mal angeschlagen. Danach läuten jeweils die Marien-, die Willibrord- und die Totenglocke zusammen.

Die Schutzengelglocke gibt einen Schlag bei jeder viertel Stunde.

 

Blitzschlag

Am Montagnachmittag des 1. Juni 1953 gegen 16:30 Uhr zerschmetterte ein Kugelblitz den 45 m hohen Kirchturm, der unter ohrenbetäubendem Krachen herabstürzte. Der Blitz riss das massive, aus Basalt gebaute Oberteil des Turmes in einer Länge von 17 m auf und zerstörte das Turmdach völlig. Zentnerschwere Steintrümmer wurden in die Tiefe geschleudert. Wie durch ein Wunder traf keiner dieser Steinbrocken das nur wenige Meter vom Kirchturm entfernt stehende Gebäude des Kindergartens, in dem sich zu dieser Zeit über 70 Kinder befanden. Ein Teil der Steinbrocken durchschlug das Dach des Kirchenschiffes und fiel in den Kirchenraum. Andere Steinplatten richteten im Glockenstuhl schwere Schäden an. Außerdem wurden zwei Glocken, die erst 1951 angeschaffte Turmuhr und die Orgel zerstört.

Im Verlaufe dieser großen Aufbauarbeiten wurde das Tuffrelief über dem Hauptportal eingesetzt. Es zeigt links Berctrudis mit Pflug, in der Mitte Christus, rechts den Pfarrpatron Willibrord und ein Bimsbecherwerk.

 

Seit Anfang an war eine Uhr im Kirchturm eingebaut  die 1904 erneuert und schon nach zwei Jahren durch einen Blitz beschädigt wurde. 1953 ereilte sie das gleiche Schicksal. Nun endlich wurde auch das fehlende vierte Blatt (gegen Osten) angebracht.

 

Rundgang

1.Viereckiger Taufstein aus Basalt von 1648 aus der alten Kirche

2.Kriegergedächniskapelle eingerichtet 1951/1952 mit Pietà (1914 vom Mütterverein gestiftet)

3.Figur des hl. Petrus vom alten Seitenaltar

4.Figurengruppe: Anna Selbtritt (Stiftung der Katholischen Frauengemeinschaft)

5.Fenster: Die törichten und die klugen Jungfrauen

6.Fenster: Ankunft und Erscheinung des Herrn

7.Figur des hl. Antonius von Padua

8.Fenster: Nachfolge Jesu

9.Fenster: Wort und Sakrament

10.Fenster: Kirche und Sünder

11.Fenster: Die Geburt der Kirche

12.Fenster: Die Vollendung der Kirche

13.1906 erbauter Altar mit hl. Sebastian und hl. Papst Fabian; unter dem Altartisch das Heilige Grab

14.Fresko: Opfer des Melchisedek

15.Ewiges Licht

16.Fenster: Darstellung des hl. Jakobus und der hl. Christina, gestiftet von Gerhard Herfeldt (verheiratet mit Ursula Haan); darüber der Hahn aus dem Familienwappen der Fam. Haan

17.Fenster: Darstellung des hl. Johannes des Täufers und des hl. Josef; gestiftet von Pfarrer Johann Josef Retz; die kleinen Figuren an den Füßen der Heiligen links Pfarrer Johann Josef Retz und rechts Dombauarchitekt Vinzenz Statz aus Köln

18.Fenster: Darstellungen des hl. Gerhardus und der hl. Ursula; gestiftet von Gerhard Herfeldt; oben ein Teil des Familienwappens mit drei roten Herzen

19.Zweiflügeliger Hochaltar von 1893 mit Tabernakel (Flügel in der Advents- und Fastenzeit geschlossen); links der selige Adolph Kolping und rechts der hl. Willibrord

20.Sakramentshaus

21.Fresko: Abrahams Opfer

22.Großes Missionskreuz von 1911

23.Der Mittelaltar ist der Zelebrationsaltar und wurde aus Elementen der alten Altäre 1973/1975 zusammengebaut,

24.ebenso der Ambo

25.Marienaltar mit der segnenden Madonna

26.Fenster: Johannes und Christus: Von der Verheißung zur Erfüllung

27.Figur des hl. Josef

28.Beginn des neugotischen Kreuzwegs mit 14 Stationen

29.Fenster: Mose – Mittler des Bundes

30.Fenster: Ich bin Josef, euer Bruder (Kirche als Ort der Vergebung und der Brüderlichkeit)

31.Fenster: Abraham – Vater des Glaubens

32.Fenster: Die Arche und der Bund mit Noe

33.Beichtstuhl

34.Fenster: Verheißung nach dem Sündenfall

35.Taufstein mit Messingdeckel von 1713 aus der alten Kirche

36.Fenster: Der reiche Prasser und der arme Lazarus

37.Marienbild der immerwährenden Hilfe

38.Figur des hl. Paulus vom alten Seitenaltar

39.Dreimanualige, mit 32 Registern und 2224 Pfeifen bestückte und mit beachtlicher Klangfülle ausgestattete Orgel von der Fa. A. Führer aus Wilhelmshaven. Ihr Gesamtbild ordnet sich harmonisch in die Kirche ein

 

Die Chorfenster und das Fenster über dem Portal - nur von der hinteren Empore einsehbar -  stammen von 1861. Alle anderen Fenster sind 1975 erneuert worden. Gesamtthema der erneuerten Fenster: Die Kirche ist das Volk Gottes, im Alten Bund vorbereitet - durch Christus vollendet.

In den oberen Fenstern im Hauptschiff sind die Tierkreiszeichen (Jahreskreis) dargestellt.